Category: Treffpunkte & Immobilien

  • Die Bar No. 1 – Chemnitzer Nazis im Herzen der Kulturhauptstadt

    Marcel Walenta, Maximilian Völkl und Denis Daudrich
    Marcel Walenta, Maximilian Völkl und Denis Daudrich

    Am Freitag, d. 6. Mai 2022 eröffnete in der Chemnitzer Hartmannstraße 7, im Hof der Schmidtbankpassage, die Bar No. 1. Was von außen wirkt wie eine gewöhnliche Sport- und Cocktailbar, stellt sich bei genauerem Hinsehen als Projekt von Teilen der Chemnitzer Naziszene heraus. Als Betreiber der Bar tritt die Daudrich & Diesch GmbH auf, deren Geschäftsführer*innen Denis Daudrich und das Ehepaar Susann und Guido Diesch sind. Denis Daudrich ist bereits einige Jahre in der Gastroszene von Chemnitz und der Region aktiv. 2018 gründete er die Bar No. 10 auf dem Brühl. Diese war schnell als Treffpunkt für Rechte verschrien und musste 2020 angeblich aufgrund behördlicher Schikanen wieder schließen.

     

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  • Aktuelle Entwicklung um das sogenannte “Bürger- und Begegnungszentrum” von Pro Chemnitz im Februar 2019

    Hintergründe zu Netzwerk und Strukturen

    In Chemnitz demonstrierte am vergangenen Montag, dem 18.02.2019, das Bündnis “Aufstehen gegen Rassismus” gegen ein geplantes “Bürgerzentrum” der extrem rechten “Bürgerbewegung Pro Chemnitz”. Zum Abschluß der Demonstration fand sich diese am Gebäude der Brauhausstraße 6 im Chemnitzer Zentrum ein, in dem seit Ende 2018 Umbaumaßnahmen durch Pro Chemnitz stattfinden. Es sammelten sich etwa 25 Anhänger, um die Demonstrierenden zu beschimpfen. Darunter langjährige Neonazis. Dieser Text beleuchtet die personellen Verbindungen von Pro Chemnitz zu lokalen Neonazis.

    mittig hinten mit Fahne: Kohlmann am 18.02.2019 an der Brauhausstraße 6 in Chemnitz (Quelle: Tim Mönch)
    mittig hinten mit Fahne: Kohlmann am 18.02.2019 an der Brauhausstraße 6 in Chemnitz (Quelle: Tim Mönch)

    Im Zentrum der Bewegung und Besitzer des Hauses in der Chemnitzer Brauhausstraße 6 steht Martin Kohlmann. Kohlmann, seit 1999 im Chemnitzer Stadtrat und Gründer sowie Vorsitzender der “Bürgerbewegung Pro Chemnitz”, war Hauptinitiator der extrem rechten Aufmärsche in Chemnitz vom Spätsommer 2018 und hat eine lange Vergangenheit in extrem rechten Strukturen. Er begann sein politische Karriere bei den Republikanern, wechselte 2006 in die DSU, bevor er 2009 “Pro Chemnitz gründete. Als Anwalt verteidigt er immer wieder einschlägige Neonazis, wie einen Angeklagten der rechtsterroristischen “Gruppe Freital”, den Holocaustleugner Günther Deckert, den Reichsbürger Adrian Ursache, sowie weitere Neonazis, die z.B. wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor Gericht stehen. In seinem Plädoyer im Prozess der “Gruppe Freital” sagte er, er hoffe, dass sich seine Worte für die Richter nach einem Systemwechsel strafverschärfend auswirken werden.
    Bei den Aufmärschen im Spätsommer 2018 trat Kohlmann regelmäßig als Redner auf und fiel durch äußerte sich dabei mehrmals stark rassistisch. Er verteidigte die Handlungen der Gruppe “Revolution Chemnitz”, mit dem Verständnis, dass “man ein bisschen Frust ablassen wolle”. Dass Kohlmann als Vorsitzender einer vermeintlich rechtspopulistischen “Bürgerbewegung” offen mit Neonazis paktiert, ist nicht neu. 2005 meldete Kohlmann den allerersten Nazi-“Trauermarsch” Chemnitz’ anlässlich der Bombardierung zum 5. März 1945 an. Später entwickelte sich daraus über Jahre ein Großaufmarsch neonazistischer Kameradschaften und Parteien, an dem Kohlmann auch weiterhin teilnahm. 2009 marschierte er gemeinsam mit Kameradschaftern aus dem Erzgebirge am Fronttransparent des Trauermarsches. Bereits 2013 meldete er Kundgebungen und Demonstrationen an der Erstaufnahmeeinrichtung am Adalbert-Stifter-Weg in Chemnitz an. Am 18.03.2018 fiel er als Redner einer extrem rechten Kundgebung in Potsdam auf, die anlässlich des “Tages der politischen Gefangenen” von lokalen Kameradschaften organisiert wurde.
    Zudem war Kohlmann Teil des “Volkstanzkreis Cossen”, einer völkischen Gruppe mit Mitgliedern aus der Neonaziszene und Neuer Rechten, die sich mehrmals im Jahr zu Veranstaltungen auf einem Bauernhof des Neonazis Martin Wolf in Cossen trafen und dort völkische Feste mit Netzwerkcharakter feierten. Auf dem gleichen Hof fanden auch Treffen der HDJ-Nachfolgeorganisation “Sturmvogel” statt.

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