
Seit fünf Jahren hat die Identitäre Bewegung (IB) in Chemnitz Fuß gefasst. Aus einer Kleinstgruppe, die über wöchentliche Stickeraktionen kaum hinauskam, entwickelte sich in wenigen Jahren eine der aktivsten IB-Gruppen im Bundesgebiet. Sie sammelt sich um das „Zentrum Chemnitz“, die aktuell einzige öffentliche Immobilie der IB in Deutschland. Doch hinter Wachsjacken und Segelschuhen stecken nicht immer die elitären, erfahrenen Aktivist*innen, die sie vorgeben zu sein.
Im Sommer dieses Jahres erschien auf de.indymedia.org eine Reihe von Outings, die Aufschluss über die Identitäten der meisten Personen um das Zentrum Chemnitz geben. Zusammen mit Fotos diverser IB-Aktivitäten auf pixelarchiv.org ergibt sich ein umfassendes Bild der Gruppe, das im Folgenden detailliert dargestellt werden soll.
Inhalt
- Einleitung
- Vom Niemandsland in die Bundesspitze
- Die Personen um das „Zentrum Chemnitz“
- Zusammenkunft der völkischen Sprösslinge
- Die IB und ihre NS-Ausflügler
- Ideologische Einordnung der Identitären
- Veranstaltungen im „Zentrum Chemnitz“
- Chronik des Zentrum Chemnitz
- Fazit
- Personenübersicht
Einleitung
Im Januar 2024 machte ein Immobiliendeal Schlagzeilen: Peter Kurth, einst für die CDU Finanzsenator in Berlin, hatte der Identitären Bewegung in Chemnitz den Kauf einer Ladenfläche im Stadtteil Schönau ermöglicht. Kurth soll der IB 50.000 Euro übermittelt haben. Offenbar auf ungewöhnlichem Wege, denn die Staatsanwaltschaft Chemnitz ermittelte nach der Transaktion wegen des Verdachts der Geldwäsche. Heute fungiert das „Zentrum Chemnitz“ in der Edisonstraße 2 vor allem als Treffort und als Briefkastenadresse für eine große Zahl an Vereinen und Firmen aus dem Dunstkreis der IB. Die Gruppe, die regelmäßig für Veranstaltungen und interne Treffen in der Immobilie zusammenkommt, hat unterdessen ihre Relevanz in der eigenen Blase erheblich steigern können: Der Ortsgruppenleiter Vincenzo Richter ist mittlerweile Bundesvorsitzender der IB, die Gruppe nimmt überregional an Treffen, Demonstrationen und Aktionen teil und mit Lucas Wenzel und Phil Friedrich sind gleich zwei Mitglieder innerhalb kürzester Zeit zu umtriebigen Filmern beim IB- und AfD-nahen extrem rechten Mediendienstleister „Filmkunstkollektiv“ geworden. Auch wenn der Personenkreis um das „Zentrum“ langsam, aber stetig wächst, konnte die Kerngruppe, die sich aus Chemnitz und umliegenden Landkreisen rekrutiert, bis heute nicht weit über zehn Personen hinauswachsen. Trotz eines vollgepackten Veranstaltungskalenders mit Vortragsabenden, mindestens wöchentlichen internen Treffen, Lesekreisen, Wanderungen und einer größtenteils professionellen medialen Selbstinszenierung schafft es die Gruppe heute weniger denn je, in die Stadtgesellschaft hineinzuwirken. Der Horizont der Identitären in Chemnitz endet an der Stelzendorfer Straße.
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